Clairchen berichtet 2024





Juni 2024


10. Juni, einer der wichtigsten Feiertage in unserem Kalenderjahr. Bonnies Geburtstag. Allein, daß sie ihn nicht mehr leibhaftig erleben kann. Es ging ganz schnell vom 1. Januar an, daß sie Schmerzen beim Laufen hatte, Entzündungshemmer, Schmerzmittel und Cortison nicht halfen, am 10. Januar ihr linker Vorderlauf gelähmt war, alle anderen Füße krampften und ihr in der Tierklinik keine Aussicht auf ein lebenswertes Hundeleben mehr gestellt wurde. Die Entscheidung sie einschläfern zu lassen haben Frauchen und Herrchen sich nicht leicht gemacht, aber es gab ja gar keine andere Wahl. Und so ist es nun an mir, Clairchen, Euch die traurigste aller Nachrichten zu überbringen.


Unsere liebe Bonnie ruht jetzt in ihrer Urne neben Gina und Ivy bis sie eines Tages alle zusammen mit Frauchen ihre ewige Ruhestätte finden. 





10. September


Hallo, hallo, ich bin's, Euer Clairchen. Es gibt Neuigkeiten, tolle Neuigkeiten wie ich finde, nein, keinen zweiten Hund erstmal in unserem Rudel, aber nach zähen Verhandlungen hat Frauchen endlich zugestimmt, daß ich Bonnies homepage fortführen darf. Lange hat sie mich bitten und betteln lassen, mit Engelszungen hab ich auf sie eingeredet und nachdem alles nichts half und ich schon härtere Bandagen aufziehen wollte, kam mir die Idee es mit Diplomatie zu versuchen. Ja, ich glaube so nennt man das. Diplomatie. Hab ihr klar gemacht, wenn sie mich weiterhin als zwergigen Nichtsnutz bezeichnet, könnte ich ja nicht wachsen, dazu bräuchte es eine verantwortungsvolle Aufgabe und was wäre da besser geeignet, als eine eigene homepage? Zack, keine weiteren Gegenargumente, außer ich solle mich nicht als Influencerin verstehen. Da weiß ich jetzt eh gar nicht, was das sein soll... Also, Ihr hört jetzt öfter von mir, dem stolzen Clairchen!


14. Oktober 


Jetzt geht's lo-os! Jetzt geht's lo-os!


Nein, doch noch nicht ganz, erst muß ich eine Korrektur anbringen: und zwar weiß ich aus berufenem Munde, daß es sich bei meiner Überredung von Frauchen doch nicht um Diplomatie gehandelt hat sondern um Psychologie. Aber das muß unbedingt unter uns bleiben, denn Frauchen wird sicher nicht so ganz begeistert sein, daß ausgerechnet ich ihr mit Angewandter Psychologie beigekommen bin.


Bei der Überlegung, wie ich denn nun starten soll, war mir ein freundlicher Hundehalter behilflich, der just heute das Frauchen fragte, wie ich denn als Einzelhund klar käme? Nun ist es seit ein paar Tagen ja schon ein Dreivierteljahr her, daß unsere liebe Bonnie nicht mehr da ist und so fiel dem Frauchen nur ein mit "gut, sie ist halt da rein gewachsen" knapp zu antworten. Das "Reinwachsen" will ich aber doch gern ein bißchen ausführlicher darstellen, denn es war schon eine massive Umstellung für uns alle. Meine Herrschaften vermißten schmerzlich den lieben, treuen, verläßlichen Begleiter, aber für mich war Bonnie doch so viel mehr als das. Vom Fels in der Brandung und lehrreichen Althund bis zum albernsten Spielkameraden und all den Facetten, die dazwischen liegen. An ihr hatte ich so ziemlich alles fest gemacht und jetzt brauchte ich einen anderen Dreh- und Angelpunkt. Will z.B. sagen: das morgendliche Gezerre an Bonnies Ohren, Hals und Beinen, bis Frauchen endlich ausgehbereit war, hab ich kurzerhand auf Frauchen selbst verlagert. Die war zunächst nicht begeistert von meinem Gezupfe an Ärmeln und Hosenbeinen, was sich bei ungehorsamem Nichtbeachten steigern ließ in aufmunterndes Gezwicke in ihre Waden. Sie verbittet sich das, sagt sie. Aber ich muß gestehen, daß mir das auch heute noch hin und wieder passiert, wenn ich es arg eilig habe, daß endlich Action ist und sie wieder nicht aus dem Knick kommt.   

Was mir auch fehlt, ist die sichere Anleitung von Bonnie, wann es wen oder was auszukläffen gilt. Und da ist mir Frauchen keine zuverlässige Hilfe. Mal findet sie es gut, mal nicht, also meistens nicht und ich selbst finde es meistens gut. Da haben wir noch keinen gemeinsamen Nenner gefunden. Ich mache mich da auch gern mal selbständig, denn ich bin ja schließlich inzwischen erwachsen geworden mit meinen fast 2 1/2 Jahren und ja, ich will es nicht leugnen: ich gebe gern Laut.

Bonnie war natürlich auch 24 Stunden am Tag bereit meinen Aufforderungen zum Spiel Folge zu leisten, dem kommt Frauchen leider nicht nach, aber sie gibt sich redlich Mühe die angedienten Spielzeuge zum Werfen, Kullern, Verstecken und Zerren entsprechend einzusetzen. Über die einzusetzende Zeit haben wir allerdings noch keine für mich befriedigende Einigung erzielt, sie macht da auf stur, aber da ist von meiner Seite das letzte Wort noch nicht gesprochen. 

Was meine Leute gar nicht mit mir geübt hatten, war das ganz allein sein zuhause. Bonnie war immer bei mir gewesen und so war es für mich schon schwer, wenn beide Herrschaften nur die Etage im Haus wechselten und ich auf einer Etage allein zurück blieb. Ich hätte ja hinterher laufen können, aber irgendwie kam mir das nicht in den Sinn. Stattdessen hab ich Frust geschoben und den dann an irgendwas auslassen müssen. Irgendwas lassen die ja immer herumliegen und da hab ich halt was angeknabbert und wenn's was Empfindliches war, war's halt danach nicht mehr in dem Maße brauchbar, wie Herrchen und Frauchen sich das vorstellten. Nein, Schimpfe gab's nicht, sie haben schnell verstanden, daß ich immer eine Einladung zum Mitkommen brauchte. Und wenn sie das dann doch mal vergaßen, hab ich halt durch empörtes Lautgeben auf mich aufmerksam gemacht. Frauchen hat mich dann durch alle offenen Türen nochmal extra abgeholt, das fand ich einen feinen Zug von ihr. Inzwischen haben wir alle dazugelernt und ich kann auch gut komplett allein bleiben für ein paar Stunden. Das kommt nicht oft vor und wenn doch, gibt's zu meiner Beschäftigung einen angemessenen Kauknochen. 


Den größten Wandel, ja meinen größten Erfolg habe ich erreicht bei dem Thema "einsame Nächte". Es war schon immer so, daß wir Hunde mit im Menschenschlafzimmer geschlafen haben, weil Frauchen sonst keine Ruhe hat und sich um uns sorgt. Bonnies Koje stand an Frauchens Kopfende vom Bett und meine Koje am Fußende.  Wenn Ihr jetzt die Koje weg laßt, wißt Ihr, wo ich mich hin gemogelt habe. Nach drei Nächten des wieder hinaus schmeißens hat Frauchen aufgegeben, jetzt gehört ihr Fußende mir. Und da sind wir wohl wieder bei der Angewandten Psychologie, denn meine Argumentation war folgende: wenn Du in der Nacht wieder nicht schläfst und um Bonnie weinst, merke ich das sofort und kann Dich trösten. Dazu müßt Ihr wissen: trotz der mir nachgesagten Rüpelhaftigkeit gibt es niemanden, der so behutsam Tränen aus Augenwinkeln schlecken kann wie ich und da ist Frauchen dann immer ganz entzückt von mir, aber pst, Ihr wißt ja, Frauchen soll nicht wissen, wenn ich aus dem Nähkästchen plaudere.


Nach Bonnies Verlust hatten wir erstmal eine frostige Zeit, drinnen und draußen

 


 

 Schneebälle jagen und fangen mußte ich erstmal lernen, aber dann hat's Spaß gemacht 


Frauchen hat sich alle Mühe gegeben nicht allzuviel um Bonnie zu weinen, sie sagt das würde mich aufregen und mir Angst machen und das möchte sie vermeiden. Ihre beste Idee ist dann aktiv zu werden und da der Frühling sich eingefunden hat, bedeutete das für mich als Fotomodel herzuhalten. Das hat Bonnie schon immer genervt, still halten, lieb gucken oder besser noch sich begeistert zeigen von den zauberhaften Blümchen. Gähn. Wie langweilig, aber selbstverständlich tue ich ihr den Gefallen damit SIE abgelenkt ist. Und natürlich gehört auch immer ein sehr großer Spaziergang dazu, um die Pflanzenschönheiten aufzufinden, das lenkt MICH dann ab.



Die Schneeglöckchen sind eine Pracht, sagt Frauchen, aber wäre ich nicht on top dabei wären sie nur halb so schön, oder ?



Buschwindröschen waren früher mehr, das weiß ich von Bonnie.



In Himmelsschlüsselchen konnte Gina früher "baden", heißt es.
Und siehe da, ich auch! Man muß nur lange genug suchen!



Dann findet man sie scheinbar überall in Massen !



Echt jetzt, Frauchen? Immer noch Himmelsschlüsselchen? Jetzt wird's langweilig!



Und die paar Orchideen bringen so viel Abwechslung auch nicht...



Ich als Veilchenkönigin. Ich hab den Duft noch in der Nase, den Frauchen so betörend fand.



Ostern ist die Sache mit den ach so entzückenden Blümchenfotos auch noch nicht vorbei. Nach vielen sehr nassen Spaziergängen im Frühjahr, die dann auch nicht so ausschweifend sind,  weiß ich es aber zu schätzen, wenn Fotografierwetter ist, dann sind wir immer richtig lang unterwegs. Frauchen sagt, in mir stecke auch was von Dr. Jeckyll und Mr. Hide, wer auch immer das ist...

Mal feine Dame


und dann passiert mir wieder was, was ich besser schnell unter den Teppich gekehrt hätte!



Manchmal bin ich auch so in mein Werk vertieft, daß Frauchen mich auf frischer Tat ertappt. Seht nur, was für einen Spaß ich habe!!! Okay, es war ein altes Spielzeug, noch von Gina, wie ein Schatz aufbewahrt von Frauchen, aber was soll ich sagen: Gina hatte doch lang genug Zeit diesen Spaß selbst mit dem komischen Ding zu haben. Wenn sie's aufgehoben hat, dann bestimmt für mich, die gute, selbstlose Gina.



Damit ich nicht so viel Unfug mache, sagt Frauchen, müssen wir noch mehr Bewegung ins Spiel bringen. Sie ruft die Bonnie-Gedächtnis-Wanderungen aus. Da bin ich doch gleich dabei! Und damit ich diese ganze Impferei nicht umsonst verpaßt bekommen habe, starten wir mit einigen Touren in den Niederländischen Heidegebieten.


Oh weh, es gab technische Probleme und dann ist auch noch Herrchen gesundheitsbedingt monatelang ausgefallen, wie soll ich das bloß aufholen? Ach, was soll ich grübeln, ich lege einfach los: also wir waren in der Heide, es gab toll viel zu schnüffeln, aber alles immer an der Leine, bäh. Ich bin dann immer sehr brav, lobt Frauchen, aber sie weiß auch, daß ich nicht wirklich glücklich damit bin.



Ganz besonders vorbildlich hab ich mich in Frauchens Augen verhalten, als eine große Schafherde an uns vorbeizog. Sie sagte, ich solle aufpassen und lernen. Sie meinte natürlich den Bordercollie beobachten, als ob ich das, was der tat nicht schon mit der Muttermilch aufgesogen hätte. Der macht mir nix vor. Nein, vielmehr hab ich Frauchen beobachtet und wieder mal erkannt, wie glücklich sie immer ist, wenn sie von vielen Tieren, gleich welcher Art, umgeben ist. Ich weiß genau, daß sie am liebsten wieder einen Zweithund hätte. Und zwei Katzen. Bei ersterem muß sie an Herrchen vorbei. Und bei letzteren an mir. Mit Herrchen hat sie da wahrscheinlich ein leichteres Spiel. 



Im Niederländischen Geultal gibt es auch die herrlichsten Düfte und Spuren, da macht das Stöbern viel Spaß und mir manchmal taube Ohren









Wundert es irgendjemanden, daß das nächste Projekt hieß : wir wandern auf Bonnies Spuren durch die Eifel ? Am liebsten hätte ich mir die Ohren zugehalten, bei all den Erzählungen, die ich dabei über mich ergehen lassen mußte. Was Bonnie damals hier oder da gesehen, getan oder erlebt hat, wußte ich ja längst aus erster Hand. Natürlich war ich von Bonnie in Kenntnis gesetzt. Und zwar über alles. Und dann hatten Frauchen und Herrchen plötzlich die tolldreistesten Geschichten auf Lager. Ein Glück, daß Bonnie diesem verdrehten Quatsch und den Lobhudeleien nicht zuhören mußte. 






Was sonst über's Jahr noch los war? Natürlich mein Geburtstag, den wir mit einem schönen Ausflug gefeiert haben, Mai ist ein toller Monat um Geburtstag zu haben



Danach war ich ziemlich müde und bin, wie es sich für eine zweijährige Dame gehört, auch entsprechend damenhaft eingeschlafen



Großartige Besuche bei meinen Schwestern habe ich gemacht, bei Cara






und bei Lissy. Davon kann ich gar nicht genug bekommen!!!





Weshalb da so selten Zeit zu ist, will mir gar nicht einleuchten. Selbst mit der lieben KHC-Dame im Nachbarort sind nicht regelmäßig Spaziergänge zu verabreden, irgendwie funktionieren unsere Frauchen und Herrchen nicht richtig, da muß ich bei der Erziehung nochmal nachlegen. 

Meine Leute können sich jedenfalls nicht damit herausreden, daß längere Zeit die Handwerker im Haus waren und viel ausgeräumt werden mußte, Hektik und Lärm war und für mich fast kein Platz mehr. Schlußendlich haben mich aber alle sehr gelobt, weil ich in dem Tohuwabohu so brav war.



Das Jahr neigt sich dem Ende zu, was Herrchen wieder in so seltsame meditative Stimmung versetzt. Bei einem Heidespaziergang führt das lange Nachdenken aber dazu, daß beschlossen wird nochmal in Urlaub zu fahren um den Goldenen Herbst in der Eifel zu genießen. 



Und weil's schon November ist, sagt Frauchen, gilt eine neue Regel: was früher der Goldene Oktober war, ist heute der Goldene November







Morgens ist es allerdings eisig und wir haben wir Raureif



Ganz heiß wurde uns aber schnell wieder, als wir das Tier vor uns eindeutig als Wolf identifizieren konnten.



Das war für uns drei ein erhabenes Erlebnis. Er ist ganz gemächlich vor uns her spaziert und als er uns dann nach ein paar Minuten wahr genommen hat, schwupps im Dickicht verschwunden. 


Mit zunehmend schlechtem Wetter verlagert sich die Zeit des Spielens von draußen nach drinnen...



... und zwar bis zum Umfallen


Weihnachten gedenken wir natürlich diesmal ganz besonders unserer lieben Bonnie.

Ein Bild aus vergangener Zeit



Und hier jetzt ich mit meinen besten Wünschen für Euch alle zum Weihnachtsfest